Menschenpflege - Hundepflege?
alles gleich, oder?
Die meisten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Haut- und Haarpflege stammen aus der Human-Kosmetik.
Für Hunde existiert deutlich weniger fundierte Forschung.
Chemisch gesehen funktionieren viele Inhaltsstoffe jedoch bei Mensch und Hund gleich:
Bei vielen langhaarigen Hunderassen – z. B. Tibet Terrier, Lhasa Apso, Havaneser oder Afghanische Windhunde (und viele ähnliche Rassen)– ist die Haarstruktur dem menschlichen Kopfhaar sogar sehr ähnlich:
Bei Rassen wie Pudel, Tibet Terrier oder Afghanischer Windhund wächst das Haar, ähnlich wie menschliches Kopfhaar, kontinuierlich weiter, bzw wechselt nicht ständig. Es fällt nicht saisonal aus, sondern muss regelmäßig geschnitten, gekämmt und gepflegt werden. Dadurch entsteht ein erhöhter Pflegebedarf, ähnlich wie beim Menschenhaar.
Das Deckhaar beim Hund ist dem menschlichen Haar sehr ähnlich.
Lediglich die (bei vielen Langhaar-Rassen) vorhandene Unterwolle ist ein Unterschied zum menschlichen Haar. Das bedeutet gleichzeitig einen deutlich höheren Pflegeaufwand beim Hund.
Hundehaare besitzen wie menschliches Haar eine äußere Schuppenschicht (Cuticula), die den Glanz und die mechanische Stabilität bestimmt. Wird diese Schicht durch Reibung oder falsche Pflege beschädigt, verliert das Haar an Glanz und wird anfälliger für Haarbruch.
Langhaarige Hunde sind durch Bewegung, Spielen oder Liegen einer starken mechanischen Beanspruchung ausgesetzt. Das führt zu Filzbildung und Haarbruch, wenn das Haar nicht regelmäßig entwirrt und gepflegt wird. Die Haarspitzen vieler Langhaar-Hunde brechen bei einer gewissen Länge und Beanspruchung auch ab und bleiben auf einer gewissen Länge.
Die Hundehaut produziert weniger Talg als die menschliche Kopfhaut. Dadurch fehlt ein schützender Lipidfilm, der das Haar geschmeidig hält. Das Haar trocknet schneller aus und benötigt zusätzliche Pflege durch Conditioner oder feuchtigkeitsspendende Produkte
Beachte: Es gibt bezüglich der Menge der Talgproduktion Rasse- und individuenabhängige Unterschiede
➡️ Fazit: Aufgrund dieser physiologischen und strukturellen Ähnlichkeiten, insbesondere des kontinuierlichen Haarwachstums und der geringeren Talgproduktion, lassen sich viele Erkenntnisse und Pflegeprinzipien aus der Human-Kosmetik gut auf diese spezifischen Hunderassen übertragen.
Die Pflege erfordert einen ähnlichen Ansatz wie bei langem Menschenhaar.
(beachte die folgenden Hinweise, wo dennoch Unterschiede liegen)
Sowohl beim Mensch, als auch beim Hund besteht die Haut aus:
Hornschicht
Lipidbarriere
Mikrobiom
Feuchtigkeitskomponenten
Alles, was diese Barriere beim Menschen schwächt – aggressive Tenside, zu viel Alkohol, Duftstoffreize – kann das auch bei Hunden tun.
Die menschliche Haut liegt typischerweise im sauren Bereich um pH 4,5–5,5. Studien zeigen, dass die Hundehaut meist neutral bis leicht alkalisch ist (pH 6–7,5). Rezepturen sollten deshalb speziell auf diesen Bereich eingestellt werden.
Das bedeutet:
Hundeshampoos müssen milder eingestellt sein
Babyshampoos sind nicht automatisch mild genug
Hochkonzentrierter Alkohol ist besonders problematisch
Duftstoffe können stärker reizen
Der chemische Effekt eines Inhaltsstoffs bleibt jedoch identisch.
Nur die Rezeptur muss auf Hundehaut angepasst werden.
Babyshampoos sind auf die Bedürfnisse menschlicher Haut und Haare abgestimmt. Sie passen hinsichtlich pH‑Wert, Tensidprofil und Duftstoffen nicht automatisch zur Hundehaut. Für Hunde entwickelte Spezialrezepturen sind die sicherere Wahl.
Babyhaut ist saurer, Hundehaut neutraler → pH passt nicht
Duft- und Farbstoffe können Hunde stärker reizen
Babyhaar ≠ Hundehaar in Länge, Struktur, mechanischer Belastung
Quellenangaben & Links
Fachbücher (Wiley, Elsevier/Saunders): Standardwerke der Veterinärdermatologie, weltweit anerkannt und in der tierärztlichen Ausbildung genutzt:
Skin Diseases of the Dog and Cat –
Wiley
Muller & Kirk’s Small Animal Dermatology – Elsevier
IFRA (International Fragrance Association): Internationale Branchenorganisation für Duftstoffe mit verbindlichen Standards und Allergendaten
IFRA Allergenseite
IFRA Standards Library
Weiter zum nächsten Thema 👉Kapitel 1: Rezepturen
Dieser Ratgeber ist eine fachlich recherchierte Orientierungshilfe und basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen (Kosmetik-Portale, Fachliteratur, Inhaltsstoff-Datenbanken) sowie meiner praktischen Erfahrung in der Fellpflege. Ich bin keine Tierärztin oder Chemikerin – die Inhalte stellen keine medizinische Beratung dar.
Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt, können aber keine Vollständigkeit oder absolute Richtigkeit garantieren. Der Ratgeber ersetzt keine individuelle tierärztliche Untersuchung oder professionelle Beratung, sondern soll Halterinnen und Haltern helfen, Inhaltsstoffe besser zu verstehen und fundierte Entscheidungen zu treffen.
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