Viele möchten Produkte nutzen, die:
biologisch besser abbaubar sind
keine schwer abbaubaren Silikone oder Quats enthalten
ressourcenschonend zusammengesetzt sind
unnötige Duft- oder Farbstoffe vermeiden
moderne, milde Tenside einsetzen
Hundepflege endet nicht am Hund.
Alles, was wir ins Fell geben, landet früher oder später im Abwasser – beim Ausspülen, Baden oder über Regen, wenn Rückstände aus dem Fell ausgewaschen werden. Umweltverträglichkeit ist deshalb kein „Trendthema“, sondern Teil verantwortungsvoller Pflege.
Dieses Kapitel erklärt, was hinter Begriffen wie biologisch abbaubar, mikroplastikfrei oder umweltfreundlich wirklich steckt – und wo genaueres Hinsehen lohnt.
Umweltverträgliche Pflege berücksichtigt:
• Inhaltsstoffe (Spülvorgang)
Alles, was beim Ausspülen im Abfluss landet, belastet potenziell das Wassersystem. Besonders relevant sind Tenside, Duftstoffe und Konservierungsmittel.
• Abbaubarkeit
Wie leicht ein Stoff unter aeroben (mit Sauerstoff) und anaeroben Bedingungen abgebaut werden kann. Nur gut abbaubare Stoffe stören die Biologie von Kläranlagen nicht.
• Persistenz
Wie lange ein Stoff in der Umwelt verbleibt. Persistente Stoffe (z. B. Silikone, synthetische Polymere) bauen sich kaum ab und bleiben über Jahre bis Jahrzehnte bestehen.
• Akkumulation
Ob sich Stoffe in Organismen oder Sedimenten anreichern (Bioakkumulation). Solche Stoffe können sich über die Nahrungskette anreichern und problematisch werden.
• Notwendigkeit eines Stoffes
Ein zentraler Aspekt der Nachhaltigkeit: Unnötige Füllstoffe, Farbstoffe oder starke Parfüme dienen oft nur dem Marketing – nicht der Hautgesundheit des Hundes.
Nicht alles, was gut fürs Haar ist, ist automatisch gut für die Umwelt – und umgekehrt.
„Biologisch abbaubar“ klingt eindeutig,
ist es aber nicht immer.
Grundsätzlich bedeutet es:
Ein Stoff kann durch Mikroorganismen
in kleinere Bestandteile zerlegt werden.
Aber entscheidend ist:
• wie schnell
• unter welchen Bedingungen
• wie vollständig
Viele Stoffe gelten als „abbaubar“, brauchen dafür aber:
• Wochen bis Monate
• spezielle Bedingungen
• industrielle Klärstufen, die nicht überall vorhanden sind
🔍 Hinweis: Ein Stoff kann formal abbaubar sein – und trotzdem problematisch.
„Biologisch abbaubar“ bedeutet nicht, dass ein Stoff schnell oder vollständig verschwindet. Viele Inhaltsstoffe bauen sich nur unter Laborbedingungen oder in speziellen Klärstufen ab – und bleiben in der Umwelt deutlich länger bestehen.
Entscheidend ist nicht das Label, sondern die tatsächliche Abbaurate unter realen Bedingungen.
Abbaubar heißt nicht automatisch unbedenklich.
• Zuckertenside (Glucoside) → sehr gut biologisch abbaubar
• Amphotere Tenside (z. B. Betain Typen) → meist gut abbaubar
• Klassische Sulfate (SLS/SLES) → biologisch abbaubar, aber stärker entfettend und potenziell reizend
👉 Umweltfreundlich bedeutet nicht automatisch hautfreundlich – und umgekehrt.
Filmbildner gehören zu den umweltrelevantesten Stoffgruppen in der Fellpflege.
Synthetische Filmbildner:
• Silikone
• Polyquaternium Verbindungen
• Acrylate Copolymere
Diese Stoffe sind häufig:
• schlecht oder gar nicht biologisch abbaubar
• persistent (bleiben lange in der Umwelt)
• schwer aus Abwasser zu entfernen
• können sich in Sedimenten anreichern
👉 Sie verschwinden nicht – sie verteilen sich.
Natürliche Filmbildner wie:
• Proteine
• Lecithin
• pflanzliche Polymere
• Inulin
sind:
• besser abbaubar
• wasserlöslich
• weniger persistent
• ökologisch deutlich günstiger
👉 Für die regelmäßige Pflege sind sie meist die
nachhaltigere Wahl.
Beim Begriff Mikroplastik denken viele an Peelings. In der Fellpflege sind jedoch gelöste Kunststoffe relevanter.
Dazu zählen u. a.:
• Acrylate Copolymer
• Polyquaternium xx
• Polyethylene
• Styrene/Acrylates Copolymer
Diese Stoffe:
• sind synthetische Polymere
• lösen sich nicht biologisch
• werden in Kläranlagen nur teilweise zurückgehalten
• gelangen in Gewässer
👉 Auch „gelöste“ Kunststoffe sind Mikroplastik – nicht nur feste Partikel.
„Mikroplastikfrei“ ist kein geschützter Begriff. Es kann bedeuten:
• keine festen Kunststoffpartikel
• aber dennoch flüssige Polymere
• oder Ersatzstoffe mit ähnlicher Umweltproblematik
👉 Mikroplastikfrei heißt nicht automatisch umweltfreundlich.
Umweltverträgliche Pflege bedeutet nicht:
• schlechtere Wirkung
• Verzicht auf alles Synthetische
• dogmatische Regeln
Sondern:
• bewusste Auswahl
• Verhältnismäßigkeit
• Einsatz dort, wo es wirklich nötig ist
👉 Ein einmaliger Einsatz eines synthetischen Filmbildners ist etwas anderes als tägliche / regelmässige Daueranwendung.
• Hunde werden regelmäßig gebadet
• Produkte werden großflächig ausgespült
• Rückstände landen direkt im Abwasser
👉 Gerade deshalb lohnt es sich, Routinepflege möglichst umweltfreundlich zu gestalten.
Umweltverträgliche Fellpflege beginnt bei der Frage:
Brauche ich diesen Stoff wirklich – und gibt es eine mildere Alternative?
• Biologische Abbaubarkeit ist wichtig
– aber kein Alleinkriterium
• Mikroplastik ist oft unsichtbar, aber relevant
• Naturnahe Rezepturen sind für die regelmäßige
Pflege meist die bessere Wahl
👉 Nachhaltige Pflege ist kein Trend – sondern eine Haltung.
🔗 Österreichisches Umweltzeichen – Richtlinie UZ 83 (Tierpflegeprodukte)
Weiter zum nächsten Thema 👉Kapitel 8: Etiketten lesen
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