Kapitel 7 – Umweltverträglichkeit

Biologische Abbaubarkeit, Mikroplastik & verantwortungsvolle Fellpflege


Umweltverträglichkeit als zusätzlicher Entscheidungsfaktor

 

Viele möchten Produkte nutzen, die:

  • biologisch besser abbaubar sind

  • keine schwer abbaubaren Silikone oder Quats enthalten

  • ressourcenschonend zusammengesetzt sind

  • unnötige Duft- oder Farbstoffe vermeiden

  • moderne, milde Tenside einsetzen

Auch das ist ein legitimer Aspekt – und gehört heute zu verantwortungsvoller Fellpflege dazu.
Dieser Ratgeber zeigt daher auch, welche Stoffe für die Umwelt neutral sind und welche weniger. 

Hundepflege endet nicht am Hund.

Alles, was wir ins Fell geben, landet früher oder später im Abwasser – beim Ausspülen, Baden oder über Regen, wenn Rückstände aus dem Fell ausgewaschen werden. Umweltverträglichkeit ist deshalb kein „Trendthema“, sondern Teil verantwortungsvoller Pflege.

 

Dieses Kapitel erklärt, was hinter Begriffen wie biologisch abbaubar, mikroplastikfrei oder umweltfreundlich wirklich steckt – und wo genaueres Hinsehen lohnt.


Was Umweltverträglichkeit in der Hundepflege bedeutet

 

Umweltverträgliche Pflege berücksichtigt:

 

• Inhaltsstoffe (Spülvorgang)

Alles, was beim Ausspülen im Abfluss landet, belastet potenziell das Wassersystem. Besonders relevant sind Tenside, Duftstoffe und Konservierungsmittel.

 

• Abbaubarkeit

Wie leicht ein Stoff unter aeroben (mit Sauerstoff) und anaeroben Bedingungen abgebaut werden kann. Nur gut abbaubare Stoffe stören die Biologie von Kläranlagen nicht.

 

• Persistenz

Wie lange ein Stoff in der Umwelt verbleibt. Persistente Stoffe (z. B. Silikone, synthetische Polymere) bauen sich kaum ab und bleiben über Jahre bis Jahrzehnte bestehen.

 

• Akkumulation

Ob sich Stoffe in Organismen oder Sedimenten anreichern (Bioakkumulation). Solche Stoffe können sich über die Nahrungskette anreichern und problematisch werden.

 

• Notwendigkeit eines Stoffes

Ein zentraler Aspekt der Nachhaltigkeit: Unnötige Füllstoffe, Farbstoffe oder starke Parfüme dienen oft nur dem Marketing – nicht der Hautgesundheit des Hundes.

Merke!

Nicht alles, was gut fürs Haar ist, ist automatisch gut für die Umwelt – und umgekehrt.


🌍 Biologische Abbaubarkeit

– was heißt das wirklich?

 

„Biologisch abbaubar“ klingt eindeutig,

ist es aber nicht immer.

Grundsätzlich bedeutet es:

Ein Stoff kann durch Mikroorganismen

in kleinere Bestandteile zerlegt werden.

 

Aber entscheidend ist:

• wie schnell

• unter welchen Bedingungen

• wie vollständig

 

Viele Stoffe gelten als „abbaubar“, brauchen dafür aber:

• Wochen bis Monate

• spezielle Bedingungen

• industrielle Klärstufen, die nicht überall vorhanden sind

 

🔍 Hinweis:  Ein Stoff kann formal abbaubar sein – und trotzdem problematisch.

Infobox:

Warum „biologisch abbaubar“ nicht automatisch umweltfreundlich ist

 

„Biologisch abbaubar“ bedeutet nicht, dass ein Stoff schnell oder vollständig verschwindet. Viele Inhaltsstoffe bauen sich nur unter Laborbedingungen oder in speziellen Klärstufen ab – und bleiben in der Umwelt deutlich länger bestehen.

Entscheidend ist nicht das Label, sondern die tatsächliche Abbaurate unter realen Bedingungen.

 

Abbaubar heißt nicht automatisch unbedenklich.


🧪 Tenside & Abbaubarkeit

 

• Zuckertenside (Glucoside) → sehr gut biologisch abbaubar

 

• Amphotere Tenside (z. B. Betain Typen) → meist gut abbaubar

 

• Klassische Sulfate (SLS/SLES) → biologisch abbaubar, aber stärker entfettend und potenziell reizend

 

👉 Umweltfreundlich bedeutet nicht automatisch hautfreundlich – und umgekehrt.


⚡ Filmbildner & Umwelt – ein kritischer Punkt

 

Filmbildner gehören zu den umweltrelevantesten Stoffgruppen in der Fellpflege.

 

Synthetische Filmbildner:

• Silikone

• Polyquaternium Verbindungen

• Acrylate Copolymere

 

Diese Stoffe sind häufig:

• schlecht oder gar nicht biologisch abbaubar

• persistent (bleiben lange in der Umwelt)

• schwer aus Abwasser zu entfernen

• können sich in Sedimenten anreichern

 

👉 Sie verschwinden nicht – sie verteilen sich.


🌱 Natürliche Alternativen

 

Natürliche Filmbildner wie:

• Proteine

• Lecithin

• pflanzliche Polymere

• Inulin

 

sind:

• besser abbaubar

• wasserlöslich

• weniger persistent

• ökologisch deutlich günstiger

 

👉 Für die regelmäßige Pflege sind sie meist die
      nachhaltigere Wahl.


⚡ Mikroplastik – mehr als nur „Plastikkügelchen“

 

Beim Begriff Mikroplastik denken viele an Peelings. In der Fellpflege sind jedoch gelöste Kunststoffe relevanter.

 

Dazu zählen u. a.:

• Acrylate Copolymer

• Polyquaternium xx

• Polyethylene

• Styrene/Acrylates Copolymer

 

Diese Stoffe:

• sind synthetische Polymere

• lösen sich nicht biologisch

• werden in Kläranlagen nur teilweise zurückgehalten

• gelangen in Gewässer

 

👉 Auch „gelöste“ Kunststoffe sind Mikroplastik – nicht nur feste Partikel.

 

⚠️ Mikroplastikfrei – was heißt das?

 

„Mikroplastikfrei“ ist kein geschützter Begriff. Es kann bedeuten:

• keine festen Kunststoffpartikel

• aber dennoch flüssige Polymere

• oder Ersatzstoffe mit ähnlicher Umweltproblematik

 

👉 Mikroplastikfrei heißt nicht automatisch umweltfreundlich.


🌿 Umwelt vs. Funktion – kein Entweder / Oder

 

Umweltverträgliche Pflege bedeutet nicht:

• schlechtere Wirkung

• Verzicht auf alles Synthetische

• dogmatische Regeln

 

Sondern:

• bewusste Auswahl

• Verhältnismäßigkeit

• Einsatz dort, wo es wirklich nötig ist

 

👉 Ein einmaliger Einsatz eines synthetischen Filmbildners ist etwas anderes als tägliche / regelmässige Daueranwendung.

🐾 Hundepflege in der Praxis

 

• Hunde werden regelmäßig gebadet

• Produkte werden großflächig ausgespült

• Rückstände landen direkt im Abwasser

 

👉 Gerade deshalb lohnt es sich, Routinepflege möglichst umweltfreundlich zu gestalten.


Fazit

 

Umweltverträgliche Fellpflege beginnt bei der Frage:

Brauche ich diesen Stoff wirklich – und gibt es eine mildere Alternative?

 

• Biologische Abbaubarkeit ist wichtig
   – aber kein Alleinkriterium

• Mikroplastik ist oft unsichtbar, aber relevant

• Naturnahe Rezepturen sind für die regelmäßige
   Pflege meist die bessere Wahl

 

👉 Nachhaltige Pflege ist kein Trend – sondern eine Haltung.


🔗 Weiterführende Infos & Links


🔗 Österreichisches Umweltzeichen – Richtlinie UZ 83 (Tierpflegeprodukte)

https://www.umweltzeichen.at/de/zertifizierung/der-weg-zum-umweltzeichen/antragsinfos-tierpflege-uz83-eco030 

Der Kriterienkatalog legt fest, welche Anforderungen Inhaltsstoffe in Bezug auf Abbaubarkeit, Toxizität und Umweltverträglichkeit erfüllen müssen, um zertifiziert zu werden (Österreichisches Umweltzeichen).

 

Weiter zum nächsten Thema 👉Kapitel 8: Etiketten lesen