Konservierung ist eine Grundvoraussetzung für sichere Hundepflege. Sobald ein Produkt Wasser enthält, entsteht ein idealer Nährboden für Bakterien, Hefen und Schimmel. Ohne ein funktionierendes Konservierungssystem wäre ein Shampoo, Conditioner oder Spray innerhalb kurzer Zeit hygienisch bedenklich – auch wenn es gut riecht und sauber aussieht.
Dieses Kapitel erklärt, warum Konservierung notwendig ist, welche Systeme es gibt – und warum „konservierungsfrei“ oft mehr verspricht, als es halten kann.
👉 Wasser + organische Stoffe = perfektes Milieu für Mikroorganismen.
Ohne Schutz können sich in Pflegeprodukten schnell entwickeln:
• Bakterien
• Hefen
• Schimmelpilze
Diese sind:
• unsichtbar
• geruchlos (zumindest anfangs)
• potenziell reizend oder gesundheitsschädlich
👉 Konservierung schützt nicht nur das Produkt – sondern auch den Hund.
Alles, was Wasser enthält und länger als ein paar Tage haltbar sein soll, braucht ein funktionierendes Konservierungssystem.
Produkte ohne Wasser – wie reine Ölmischungen – benötigen keine klassische Konservierung. Sie brauchen jedoch Schutz vor Oxidation, damit sie nicht ranzig werden.
Konservierung ist kein einzelner Stoff, sondern ein System, das aus mehreren Faktoren besteht:
• geeignete Konservierungsstoffe
• viele Konservierungssysteme funktionieren nur in einem bestimmten pH-Bereich
(häufig sauer, z. B. pH 4–5,5)
• geringe Wasseraktivität (aw Wert = frei verfügbares Wasser für Mikroorganismen)
Die Wasseraktivität beschreibt nicht die Wassermenge im Produkt, sondern wie viel
Wasser Mikroorganismen tatsächlich nutzen können.
• hygienische Herstellung
• geeignete Verpackung (Airless reduziert Verkeimung deutlich)
👉 Ein einzelner Stoff allein konserviert selten ausreichend.
Einige Konservierungsstoffe werden in der modernen Pflege bewusst weniger eingesetzt – nicht, weil sie verboten oder akut gefährlich wären, sondern aus Gründen der Vorsorge, Umweltverträglichkeit oder weil es inzwischen bessere Alternativen gibt.
Stoffe die heute weniger eingesetzt werden sind z.B.:
Wichtig:
Das Meiden dieser Stoffe bedeutet nicht, dass Produkte mit ihnen automatisch „schlecht“ oder „gefährlich“ sind. Viele Hersteller entscheiden sich heute jedoch bewusst für mildere, besser abbaubare und zeitgemäßere Alternativen.
Viele Produkte werben mit:
• „naturnah konserviert“
• „mild konserviert“
• „ohne klassische Konservierungsstoffe“
Das kann funktionieren – unter bestimmten Bedingungen.
Mögliche Bestandteile solcher Systeme:
• Caprylyl Glycol
• Caprylhydroxamic Acid
• Ethyl Lauroyl Arginate (LAE)*
• Propanediol
• organische Säuren + pH Anpassung
* LAE ist sehr wirksam, unterliegt jedoch je nach Produktkategorie und Region unterschiedlichen regulatorischen Vorgaben. LAE ist in der EU als Konservierungsstoff zugelassen (bis max. 0,4 %, je nach Produktart). In der Praxis wird es meist niedrig dosiert und kombiniert eingesetzt.
👉 Diese Systeme sind milder, aber auch empfindlicher gegenüber:
• falscher Lagerung
• Verunreinigung
• Wärme
• häufiger Öffnung
Echte wasserhaltige Produkte sind nicht konservierungsfrei im wörtlichen Sinn.
Was oft gemeint ist:
• keine klassischen Konservierer wie Parabene
• alternative Konservierungssysteme
• oder sehr kurze Haltbarkeit
👉 Wichtig zu wissen:
• Auch Alkohol, Säuren, Glycole oder ätherische Öle wirken konservierend
• Ätherische Öle sind nicht zuverlässig genug, um allein zu konservieren. Sie können die Konservierung unterstützen, aber nicht ersetzen.
• Das Produkt ist also nicht „ohne Schutz“, sondern anders geschützt
Ein wasserhaltiges Produkt ohne jegliche antimikrobielle Strategie wäre hygienisch nicht sicher.
Was als „konservierungsfrei“ bezeichnet wird, nutzt meist alternative Schutzmechanismen – etwa pH-Steuerung, Alkohol, Glycole oder organische Säuren.
Entscheidend ist nicht der Begriff, sondern die Wirksamkeit des Systems.
Häufig verwendete milde Systeme:
• Phenoxyethanol (oft in niedriger Dosierung)
• Sodium Benzoate
• Potassium Sorbate
• Caprylyl Glycol
• Ethylhexylglycerin
• Caprylhydroxamic Acid
👉 In moderater Dosierung gelten diese Stoffe als:
• gut verträglich
• stabil
• wirksam
• für Hundepflege geeignet
Alle in der Kosmetik eingesetzten Konservierungsstoffe unterliegen strengen gesetzlichen Höchstmengen und Sicherheitsbewertungen!
• Hunde lecken Fell und Pfoten
• Produkte kommen oft großflächig zum Einsatz
• empfindliche Haut ist keine Seltenheit
• Leave on Produkte bleiben länger auf Haut & Haar
👉 Deshalb sind milde, niedrig dosierte und gut abgestimmte Konservierungssysteme besonders wichtig.
Ein Pflegespray ohne ausreichende Konservierung kann nach wenigen Tagen oder Wochen verkeimen – auch wenn es gut riecht und klar aussieht.
Die Folge sind oft Juckreiz, Hautreaktionen oder plötzliche Unverträglichkeiten, die fälschlich dem Pflegeprodukt selbst zugeschrieben werden.
Oft liegt das Problem nicht im Wirkstoff – sondern in mangelnder Haltbarkeit.
Deshalb sollten selbstgemischte Sprays ohne zusätzliche Konservierung auch schnell aufgebraucht und nicht lange gelagert werden!
Auch bei Konservierung gilt:
• so viel wie nötig
• so wenig wie möglich
Moderne Systeme setzen auf:
• geringe Einsatzmengen
• bessere Abbaubarkeit
• Kombination statt Einzelsubstanz
👉 Umweltverträglichkeit und Produktsicherheit schließen sich nicht aus.
👉 Umweltverträglichkeit und Produktsicherheit schließen sich nicht aus.
Konservierung ist kein Makel, sondern ein Schutzmechanismus. Ohne sie wären Pflegeprodukte nicht sicher anwendbar.
👉 Entscheidend ist nicht, ob konserviert wird, sondern wie.
Milde, gut abgestimmte Systeme schützen Haut, Haar – und den Hund.
Wenn du beim Lesen einer Inhaltsstoffliste unsicher bist:
Im Glossar, Kapitel 10, erkläre ich die gängigsten Konservierungsstoffe und ihre Einordnung verständlich und kompakt. 👉5.0 Konservierungsstoffe
Selfcare-Society: Konservierungsmittel in der Kosmetik - Sollte man sie meiden?
https://selfcaresociety.com/magazin/ohne-konservierungsmittel-hautpflege?
Konservierungsstoffe in Kosmetik – Was Sie wissen müssen
https://www.vonhaering.de/magazin/konservierungsstoffe-kosmetik/
Weiter zum nächsten Thema 👉Kapitel 6: Duftstoffe
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